VERLAGERUNG

Es gibt Menschen, die einmal im Quartal die Wohnung umstellen. Meine Schwiegermutter.

Fast wie aus dem Moment, dabei erstaunlich regelmäßig.

Schränke werden verschoben, Schubladen geöffnet, Dinge wandern von einem Ort zum nächsten. Irgendetwas wird dabei immer gefunden.

Fotos tauchen auf, alte Münzen, Dinge, die einmal Bedeutung hatten. Man hebt sie an, betrachtet sie, legt sie neu ab, verlagert sie, bis sie wieder verschwinden.

Wenn nichts mehr zu tun ist, hält es nicht lange. Man muss auf die Datscha, zu den Kindern, es gibt viel zu tun.

Das Land ist groß.

Der Prozess duldet keine Störung. Es ist ihre Ordnung. Ein ständiges Tun.

Auf den Balkonen der hochgezogenen Betonblöcke konnte man es besonders gut sehen. Ich war oft zu Gast. Man bewahrte, was sich bewahren ließ. Für den Winter. Für später.

Eingelegte Tomaten, Salate. Daneben Bücher, die niemand mehr liest, aber auch niemand wegwirft. Polster, Luftmatratzen. Ein Glas Schrauben. Ein Karton mit Tellern aus früheren Zeiten. Unter einer alten Decke verstaut, zwischen Regalen, vor dem Platz, an dem der Mann rauchte.

Es hatte eine Ordnung. Sie wusste, wo alles lag. Brauchte man etwas, wurde es zum Spießrutenlauf.

In unserer neuen Wohnung fühlte sie sich nicht wohl. Es gab nichts mehr, was man noch verstauen konnte.

Sie sei hier nur zu Gast.

Lieber sei sie „Chaseika“, die Hausherrin. Kommt doch zu mir. „Pilmeni“ am Tisch, selbst gemacht.

Und wenn es darum ging, wegzufahren, war es dasselbe.

Wir wollten wieder einmal in die Türkei. Bummeln gehen im Fremden. Luft schnappen, genießen. Einfach weg.

Komm doch mit, sagten wir. Drei Tage nur.

Mit dem Schiff?

Nein, im Flieger.

Nach Istanbul.

Zwei Stunden. So, wie es die Europäer tun. Es sei doch schön dort.

Nein, nein, antwortete sie, mit einem leisen Seufzen.

Es sei nicht ihr Glück. Sie habe nichts anzuziehen. Für so etwas. Sie wäre nur Ballast. Fliegt allein.

Und doch fragte sie, wie warm es dort sei. Ob es laut sei. Ob man sich auskenne. Ob genügend Geld.

Dann stand sie auf, räumte die Tassen weg, eine nach der anderen.

Wir flogen.

Später erzählte sie den Nachbarn, wo wir wären.

Wir brächten etwas mit.