03 EROSION ALLTAG ALS PROBLEM

ALLTAG ALS PROBLEM

Wir hatten wieder einmal eine Steuerprüfung. Elend lang. Vom Importvertrag bis zur Dienstreise wurde alles geprüft.

Und dann kam noch das.

Wir hatten Werkzeuge geliefert, mit denen man Fenster machen konnte. Europäische. Entsprechend teuer. Entsprechend die Erwartung.
Wir hatten eine Einführung gemacht, standen an der Fräse, zeigten alles, was nötig war, und fuhren wieder nach Hause.

Zwei Tage später kam der Kunde zu uns ins Büro. Ganz ruhig. Freundlich.
Er wolle noch mehr. Er habe es noch nicht ganz verstanden. Ich sagte ihm, dass wir das machen können. Aber nur gegen Bezahlung. Er nickte. Ging.

Eine halbe Stunde später standen drei Männer im Raum.
Groß. Ruhig. Armenier. Sie sagten nicht viel. Ich würde zu wenig Respekt zeigen. Ich müsse das jetzt tun. Sie mussten nicht drohen. Es war schon da.

Ich rief einen Freund an. Er kam. Setzte sich dazu, als wäre er immer schon da gewesen. Kognak auf dem Tisch. Ein paar Worte, ruhig, verbindend.

Die Situation löste sich. Nicht, weil sie geklärt war. Sondern weil sie nicht weiterging.

Man regelte vieles so. Nicht direkt. Eher nebenbei. Je nach Situation. Und meist nur einmal.

Dann stand die Reparatur des Autos an.

Ersatzteile waren kaum zu finden. Ich sollte selbst schauen. Einen offiziellen Vertrieb gab es nicht. Wir fuhren einen Lancia.

Wir telefonierten herum, bis sich jemand fand, der es versuchen wollte. Er besorge die Teile. Und mache es.

Ich fuhr hin.

Die Garage lag im Haus. Irgendwo im Hinteren. Öl und Werkzeug überall. Ein schwerer Geruch, der blieb.

Er arbeitete mit einer Stirnlampe. Wie aus einem Bergwerk.

Und jedes Wort, das er sprach, war ein Fluch. Dann blitzte das Gold in seinen Zähnen auf.

Drei Tage.

Dann hatte er den Fehler.

Aber es ging.

Zu Hause funktionierte die Heizung nicht.

Wir hatten einen Kessel. Autonomes Heizen war möglich. Duschen auch. Das war selten. Und Luxus zugleich.

Ein Meister kam. Einer, der mehr mit dem Hammer machte als mit etwas anderem.

Ein Kessel aus Weißrussland. Selten. Aber gut.

Für mich wirkte er, als stamme er aus einer anderen Zeit.

Ich vertraute ihm.

Er roch so, als hätte er keine Scheu, die Dinge anzufassen.
Die Schwiegermutter stand die ganze Zeit daneben. Man könne ja etwas lernen, sagte sie. Nächstes Mal mache man es selbst.

Und tatsächlich: Es passte.

Um drei Uhr in der Früh war es soweit. Ein kurzes Nicken. Ein Kompliment. Dreißig Dollar in bar.