1. MÄRZ

Die Stadt fühlte sich an wie ein Boxer kurz vor dem K. o. Sie stand noch. Irgendwie. Die Geschäfte öffneten, Autos fuhren, Menschen gingen über die Straßen. Aber alles wirkte angeschlagen. Als hätte Simferopol in den vergangenen Tagen einen Treffer nach dem anderen eingesteckt und wäre nur deshalb noch nicht zu Boden gegangen, weil der letzte Schlag fehlte.

Einer noch. Nur einer. Und die Stadt würde fallen.

Ich fühlte mit ihr. Vielleicht, weil es mir ähnlich ging. Auch ich funktionierte noch. Stand auf, trank Kaffee, ging zum Fenster, redete mit Natascha, versuchte mit den Kindern normal zu sein. Aber irgendwo in mir war längst etwas weich geworden. Diese ständige Anspannung, dieses Warten, dieses Nichtwissen, was als Nächstes kam.

Und dann kam es. Nicht als ein Ereignis, sondern als Salve.

Die Nachrichten begannen schon am Morgen und hörten nicht mehr auf. Fernsehen, Radio, Internet, SMS, Anrufe. Freunde, Bekannte. Nachrichten aus Kyjiw, aus Moskau, aus New York, aus Brüssel – und dazwischen immer wieder Meldungen von hier, von unserer eigenen Halbinsel. Eine nach der anderen. Wie ein Maschinengewehr, das längst auf uns gerichtet war.

Aus Moskau kam die Nachricht, Wladimir Putin habe den Föderationsrat um die Erlaubnis ersucht, russische Streitkräfte auf dem Territorium der Ukraine einzusetzen.

Dann die Meldung:

Genehmigt.

Ein Wort. Mehr brauchte es nicht.

Bis dahin hatte Moskau noch behaupten können, mit den Männern ohne Abzeichen nichts zu tun zu haben. Nun ließ sich der russische Präsident offiziell das Recht geben, seine Armee in der Ukraine einzusetzen.

Aus New York warnte die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power Russland vor einer militärischen Invasion der Krim. In Kyjiw trat die neue Regierung zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Jazenjuk erklärte, ein Einmarsch russischer Truppen auf die Halbinsel sei nicht hinnehmbar.

Nicht hinnehmbar.

Ich weiß noch, wie merkwürdig solche Worte inzwischen klangen. Denn während die Welt darüber sprach, ob Russland einmarschieren würde, waren die Soldaten längst hier.

Auch aus Simferopol kamen die Meldungen Schlag auf Schlag. Aksjonow hatte sämtliche Sicherheitsstrukturen der Krim seiner Befehlsgewalt unterstellt – Polizei, Sicherheitskräfte, Katastrophenschutz, Grenzschutz. Alles, worauf ein Staat sich stützte, sollte plötzlich ihm gehorchen. Und er hatte Putin um Hilfe gebeten.

Natürlich um Hilfe. Immer wieder dieses Wort. Hilfe, Schutz, Ruhe, Frieden. Worte, die inzwischen etwas anderes bedeuteten als noch vor einer Woche.

Dann das Referendum. Nicht mehr am 25. Mai, sondern am 30. März.

Schon wieder vorverlegt.

Ich sah Natascha an.

„Warum so schnell?“

Sie sah mich nur an. Dieser Blick. Als müsste sie mir nicht erklären, was längst vor unseren Augen geschah. Es war keine richtige Frage gewesen. Vielleicht hatte ich sie auch nur gestellt, weil ich irgendetwas sagen musste.

Zum ersten Mal fühlte ich mich als Familienoberhaupt schwach. Nicht ängstlich. Schwach. Ich hatte immer geglaubt, meine Familie schützen zu können. Das gehörte für mich dazu. Wenn etwas geschah, würde ich eine Entscheidung treffen. Wenn Gefahr drohte, würde ich handeln.

Aber wie schützt man seine Familie, wenn man nicht einmal weiß, wovor?

Vor den Soldaten? Vor dem, was noch kommen würde? Vor Russland? Vor der eigenen Angst?

Sollten wir bleiben? Wegfahren? Wohin? Und warum überhaupt fliehen, solange niemand auf uns schoss, die Geschäfte offen waren und die Kinder zu Hause spielten?

Es gab keine Entscheidung, die eindeutig richtig war. Das war vielleicht das Schlimmste.

Dann kamen die Meldungen von überall auf der Krim. In Kirowske hatten russische Kräfte mit sechzehn Lastwagen versucht, den Militärflugplatz einzunehmen. Die ukrainische Wachmannschaft hatte sie zunächst aufgehalten. In Jewpatorija hatten russische Soldaten den Kontrollpunkt einer ukrainischen Luftverteidigungseinheit besetzt und Räume mit technischer Ausrüstung verwüstet. Den eigentlichen Gefechtsstand hielten die ukrainischen Soldaten noch.

Noch.

Dieses Wort wurde wichtig.

In Balaklawa versuchten russische Soldaten, auf den Stützpunkt des ukrainischen Seegrenzschutzes vorzudringen. Zivilisten hatten das Tor niedergerissen, anschließend waren bewaffnete russische Spezialkräfte mit Militärfahrzeugen auf das Gelände gefahren. Dann kam eine Meldung, die mich länger festhielt: Einwohner von Balaklawa hatten sich dazwischengestellt. Veteranen und Angehörige der Grenzschützer standen zwischen den bewaffneten Russen und den ukrainischen Soldaten und baten darum, nicht zu schießen.

Menschen als letzte Grenze.

Keine Armee, keine Regierung, keine internationale Organisation. Menschen.

Und es ging weiter. In Kertsch standen russische Militärlastwagen am Fährterminal, daneben Dutzende schwer bewaffnete Soldaten. Bei Feodossija wurde der Stützpunkt der ukrainischen Spezialeinheit „Tiger“ umstellt. In Dschankoj besetzten russische Truppen einen ehemaligen Flugplatz, in Nowofedoriwka versuchten sie erneut, einen Flugplatz einzunehmen. Bei Perekop wurden ukrainische Journalisten nicht mehr auf die Krim gelassen. Bei Jalta entstand ein russischer Kontrollposten. Und in Sewastopol erklärte der Stadtrat, sich der Regierung in Kyjiw nicht mehr unterzuordnen. Die Macht sollte beim „Volksbürgermeister“ Alexej Tschaly liegen.

Und Simferopol?

Unsere Stadt war mittendrin.

Vor dem Parlament waren die Barrikaden verschwunden. Stattdessen standen dort bewaffnete russische Soldaten, bei den Springbrunnen waren Maschinengewehre aufgestellt. Bis zu tausend Menschen versammelten sich dort zur Unterstützung des Referendums. Die Verkehrspolizei war besetzt, die Vertretung des ukrainischen Präsidenten gestürmt und der regionale Grenzschutz blockiert.

Und irgendwo dazwischen gingen Menschen zur Arbeit, kauften Brot, fuhren mit dem Trolleybus, holten ihre Kinder ab.

Ich stand am Fenster und sah Männer in olivgrünen Uniformen vorbeigehen. Keine Abzeichen, keine Erklärungen. Ihre Waffen trugen sie ruhig. Ihre Bewegungen waren zielstrebig, ohne Hast, wie von Menschen, die wussten, wohin sie gehörten.

Vielleicht war genau das der Unterschied.

Sie wussten es.

Wir nicht.

Ich fragte mich, ob sie uns überhaupt wahrnahmen. Vielleicht waren wir nur Teil der Kulisse. Eine Stadt. Ein Raum. Etwas, das eingenommen werden musste, ohne selbst noch zu begreifen, was mit ihm geschah.

Am Morgen hatte ich gedacht, Simferopol stehe kurz vor dem K. o. Inzwischen wusste ich nicht mehr, ob der letzte Schlag noch kommen musste.

Vielleicht war er längst gefallen. Nur die Stadt hatte noch nicht begriffen, dass sie bereits am Boden lag.

Die Frage nach dem ukrainischen Militär stellte sich an diesem Tag nicht mehr vorsichtig. Sie stellte sich nüchtern. Wir hatten doch eines. Basen, Kasernen, Depots, Funkstellen. Und Soldaten. Viele. Ein großer Teil davon bei der Marine. Man musste kein Stratege sein, um zu begreifen, dass sie nicht einfach verschwunden sein konnten.

Und doch waren sie nicht da.

Trotzdem musste ich hinaus, etwas abholen. Die Straßen waren leerer als sonst. Viele blieben zu Hause. Aus Angst oder aus Vorsicht – der Unterschied spielte keine Rolle mehr. In der Luft lag eine Spannung, die niemand benannte. Vielleicht konnte man sie auch nicht benennen.

An einer Straßensperre musste ich anhalten. Ein Mann mit Sturmgewehr trat an mein Fenster. Kein Abzeichen, kein Wort. Er sah kurz auf meinen Ausweis, vermied jeden Blickkontakt und machte nur eine kleine Geste: weiterfahren.

Als ich wieder anrollte, hatte ich das Gefühl, eine Grenze überquert zu haben. Eine, die niemand gezogen hatte – und die dennoch da war.

Im Fernsehen sprachen sie weiter. Von Ruhe, von Verhandlungen, von Übergang. Die Begriffe rutschten inzwischen sauber ineinander, als wären sie dafür gemacht. Freunde riefen an. Nicht mehr aufgeregt, eher sachlich. Jeder hatte etwas gehört, niemand wusste etwas Sicheres. Ich rief zurück, alte Nummern, Bekannte. Manche gingen nicht ran. Andere sprachen leiser als sonst.

Einer sagte, er kenne jemanden beim Militär. Nicht hoch, irgendwo dazwischen. Man habe keinen Befehl. Noch nicht. Vielleicht komme er. Vielleicht sei es besser zu warten.

Ein anderer sagte, das Ganze werde geregelt.

Geregelt, sagte er. Als ginge es um Strom oder Wasser.

Im Zentrum, beim alten Dolgorukowski-Obelisken, sollte ich den ORF-Journalisten treffen. Keine hundert Meter vom Parlament entfernt. Zwischen Denkmal, Absperrungen und bewaffneten Männern stand der Übertragungswagen mit seiner Satellitenschüssel.

Ich musste ausgerechnet jetzt an die Geschichte dieses Denkmals denken. Grotesk. 1842 errichtet für den russischen Feldherrn, der 1771 die Krim militärisch erobert hatte.

Und nun stand ich hier. Vor diesem Denkmal. Während wieder russische Soldaten auf der Krim standen.

Um mich herum öffnete sich eine andere Welt. Ein Kompressor brummte, Kabel schlängelten sich über den Asphalt, Techniker liefen hin und her. Alles wirkte improvisiert, fast schäbig – und zugleich groß genug fürs Fernsehen.

Der Journalist war längst in seinem Tunnel. Mikrofon mit Logo, Tonprobe, Lichtabgleich. Alles auf Geschwindigkeit getrimmt. Ich bekam Kopfhörer und hörte, wie in Wien die Fragen abgestimmt wurden. Antworten vorgeformt. Sogar die Länge jedes Statements war festgelegt.

Was hier geschah, wurde anderswo sortiert.

Als die Kamera lief, stand ich mitten in einer Stadt, die gerade ihre politische Realität verlor – und sah zu, wie sie zugleich in Minutenhäppchen erklärt wurde. Vor mir die Kamera, hinter mir die Wand.

Ich stand buchstäblich mit dem Rücken zur Wirklichkeit.

Drei Minuten dauerte es. Höchstens. Danach verabschiedeten wir uns, verabredeten uns für später zum Essen, irgendwann, und ich fuhr weiter.

Auf dem Markt ging alles weiter. Brot, Kartoffeln, Fleisch. Wie immer. Nur patrouillierten jetzt Soldaten mit Sturmgewehren zwischen den Ständen. Niemand stritt über Preise, niemand wollte auffallen.

Eine Frau sagte leise: „Wenn sie da sind, wird es vielleicht wenigstens ruhig.“

Niemand widersprach. Vielleicht dachten es viele. Vielleicht war Ruhe längst wichtiger geworden als Wahrheit.

Eine andere sagte: „Ich wähle nicht. Auf keinen Fall.“

Ich musste schmunzeln – und dachte daran, wie viel hier gefälscht werden würde.

Zu Hause nahm ich mir vor, mit den Kindern zu spielen. Sie spürten unsere Zerrissenheit, unsere Angst, unsere Verlorenheit in diesem heraufziehenden Donner. Sie spielten anders, redeten anders, stritten nicht. Stella und Benno hielten zusammen, als hätten sie begriffen, dass es jetzt nichts zu gewinnen gab.

Natascha saß am Tisch und übersetzte alte Bücher, Mittelhochdeutsch ins Russische, Wort für Wort, verbissen, beinahe in Trance, als schaffe sie sich damit einen Raum, in dem der Lärm draußen bleiben musste. Babuschka war längst eingeschlafen.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und zog mich in mein Büro zurück. Vielleicht wollte ich verstehen, was an diesem Tag eigentlich geschehen war. Vielleicht suchte ich auch nur nach irgendeiner Nachricht, die den anderen widersprach, nach etwas, das mir sagte, dass wir uns täuschten, dass alles halb so schlimm war.

Ich öffnete den Computer und begann zu lesen. Ukrainisch, Russisch, Deutsch, Englisch. Eine Seite nach der anderen. Kyjiw, Moskau, Berlin, London, New York, dazwischen lokale Seiten von der Krim. Je länger ich las, desto weniger waren es einzelne Nachrichten.

Es waren Patronen. Eine nach der anderen.

Vieles hatte ich im Laufe des Tages bereits gehört. Aber jetzt, hintereinander auf dem Bildschirm, begann es anders auszusehen. Aksjonow hatte nicht nur Putin um Hilfe gebeten. Er hatte sämtliche Sicherheitsstrukturen der Halbinsel seiner Befehlsgewalt unterstellt. Gleichzeitig war der von Kyjiw eingesetzte neue Polizeichef nach einem Treffen mit ihm schon wieder zurückgetreten. Noch am selben Tag war ein anderer an seine Stelle getreten, einer, dessen Ernennung mit Aksjonow abgestimmt worden war.

Dann stieß ich auf Dinge, die ich tagsüber nur am Rand oder gar nicht mitbekommen hatte.

Die russische Staatsduma appellierte an Putin, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Bevölkerung der Krim vor „Willkür und Gewalt“ zu schützen. Russische Medien berichteten von einer nächtlichen Schießerei in Simferopol und einem angeblichen Versuch, das Innenministerium zu stürmen. Die ukrainische Polizei dementierte die Meldung.

Ich wusste irgendwann nicht mehr, welcher Meldung ich noch glauben sollte. Selbst Dinge, die angeblich wenige Kilometer von mir entfernt geschehen waren, existierten je nach Sender oder Internetseite in unterschiedlichen Versionen.

Dann Feodossija. Dort war nicht nur die ukrainische Spezialeinheit „Tiger“ umstellt worden. Ein russisches Landungsschiff vom Typ Subr war in den Hafen eingelaufen.

Ich las weiter. Wieder Simferopol. Separatisten der sogenannten Krimfront hatten das Zentrum für journalistische Recherchen im Gewerkschaftshaus besetzt. Der herbeigerufene ukrainische Sicherheitsdienst griff nicht ein. Später erschien eine andere bewaffnete Gruppe und hielt offenbar ausgerechnet die Besetzer für den „Rechten Sektor“. Für einen Moment wusste offenbar selbst niemand mehr, wer hier eigentlich wen vor wem schützen wollte.

Es wäre beinahe absurd gewesen, wenn nicht überall Waffen gewesen wären.

Und dann las ich etwas, bei dem ich noch einmal zurückscrollte.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche.

Auch sie meldete sich zu Wort. In die Ukraine würden „Friedenstruppen“ kommen. Widerstand lohne sich nicht. Das russische Volk sei eine geteilte Nation auf seinem historischen Territorium und habe das Recht, sich in einem gemeinsamen Staat wiederzuvereinigen.

Ich las den Absatz noch einmal.

Friedenstruppen.

Draußen standen Soldaten ohne Hoheitsabzeichen.

In Moskau hatte Putin inzwischen die Erlaubnis erhalten, russische Streitkräfte auf ukrainischem Territorium einzusetzen. In Kyjiw erklärte man Aksjonows Regierung für illegitim, der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat tagte in einer Dringlichkeitssitzung. In New York trat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammen.

Ich saß in meinem Büro in Simferopol und las gleichzeitig ein anderes Wort immer wieder.

Invasion.

Auf Englisch, auf Deutsch, auf Ukrainisch. Auf Russisch klang es anders.

Ich wechselte zwischen den Seiten hin und her. Mit jedem Wechsel änderten sich die Wörter. Aus russischen Soldaten wurden Selbstverteidigungskräfte, aus einer Besetzung wurde Schutz, aus einem Einmarsch Hilfe, aus Soldaten Friedenstruppen und aus Widerstand Provokation. Jede Seite, jeder Sender schien eine andere Wirklichkeit zu beschreiben.

Aber die Orte blieben dieselben.

Simferopol, Kertsch, Jewpatorija, Kirowske, Feodossija, Dschankoj, Balaklawa, Jalta, Sewastopol.

Immer dieselbe Halbinsel.

Unsere.

Langsam begriff ich, was mich den ganzen Tag so beunruhigt hatte. Es waren nicht die einzelnen Meldungen, nicht dieser eine Flugplatz, dieses eine Gebäude oder diese eine Straßensperre. Es war das Muster. Man musste die Punkte nur miteinander verbinden: Flugplätze, Straßen, Häfen, Grenzschutz, Polizei, Parlament, Kommunikation, Militär.

Einer nach dem anderen.

Vielleicht war das Maschinengewehr das falsche Bild. Ein Maschinengewehr streut.

Das hier streute nicht. Es zielte.

Ich saß noch lange vor dem Bildschirm. Irgendwann wusste ich nicht mehr, welche Sprache ich gerade las. Die Meldungen unterschieden sich immer stärker darin, wie sie erklärten, was geschah. Aber immer weniger darin, dass etwas geschah.

Draußen war Simferopol längst still geworden. Ich las weiter, klickte auf die nächste Seite, dann auf die nächste. Irgendwann kam wieder die Frage, die mich seit Tagen verfolgte:

Wo war unser Militär?

Sie hatte ihre Unschuld verloren. Es war kaum noch eine Frage. Eher eine Feststellung, und darin steckte eine zweite, die ich nicht laut aussprechen wollte:

Wenn von dort nichts kommt – warum sollte es von hier kommen?

Irgendwann schaltete ich den Computer aus.

Die Patronen hörten auf. Das, worüber sie berichteten, nicht.

Ich stand auf und merkte erst jetzt, wie erschöpft ich war. Und dann fiel mir etwas anderes ein.

Die Kinder.

Ich hatte doch mit ihnen spielen wollen.

Ich ging hinaus. Es war still. Stella und Benno schliefen längst. Auch Natascha war eingeschlafen. Während ich versucht hatte zu verstehen, was draußen mit unserem Leben geschah, hatte ich das vergessen, was ich am Abend eigentlich hatte schützen wollen.

Ich legte mich neben Natascha. Ihre Nähe beruhigte mich. Ich weiß noch, dass ich sofort einschlief. Auch für mich gab es eine Grenze.