21. JÄNNER

Ich war noch ganz niedergeschlagen vom Vortag. Ich hatte Kopfweh und fühlte mich zerrissen. Trotzdem saßen wir wieder vor den Bildschirmen. Man konnte kaum anders.

In Kiew herrschten Dauergefechte. Es sah aus wie an einer Front. Rauch und Explosionen, Barrikaden, die wie Fackeln brannten, Pflastersteine, Molotowcocktails, Blendgranaten. Dazwischen Männer mit blutenden Köpfen und erschrockenen Augen, Gesichter, bei denen man irgendwann wegsehen wollte. Seit dem 19. Januar wurde auf der Hruschewskoho-Straße gekämpft, und es hörte nicht mehr auf. In der Nacht hatten die Sicherheitskräfte erneut versucht, die Demonstranten zurückzudrängen. Am Morgen standen sie sich noch immer gegenüber. Berkut auf der einen Seite, die Demonstranten auf der anderen, dazwischen Barrikaden, ausgebrannte Busse, Feuer und Rauch.

Wir waren längst nicht mehr neutral. Vielleicht waren wir es nie gewesen, aber jetzt merkten wir es. Wir wollten, dass diese Gewalt aufhörte, dass die Menschen dort nicht mehr zusammengeschlagen wurden, dass endlich jemand nachgab. Und immer stärker hofften wir, dass es die Regierung sein würde.

Dann kam die Nachricht aus Simferopol. In der Nacht hatte es einen Brandanschlag auf das Büro von Euromaidan-Krim gegeben.

„Was? Hier?“

Wir erschraken fast mehr, als ich erwartet hätte. Natascha suchte sofort nach weiteren Meldungen, ich ebenfalls. Bis dahin war Kiew Kiew gewesen. Furchtbar, bedrückend und jeden Tag näher, obwohl es Hunderte Kilometer entfernt lag. Aber das hier war Simferopol. Unsere Stadt. Plötzlich brannte es nicht nur auf einer Barrikade in Kiew, sondern jemand hatte bei uns versucht, ein Büro anzuzünden.

Ich griff irgendwann zum Telefon. Ich wollte hören, was die Leute sagten. Nicht die Politiker, nicht das Fernsehen, sondern Bekannte, Freunde, Menschen, die hier lebten wie wir. Und dann sagte einer einen Satz, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

„Dann sollen sie sich eben abspalten.“

„Wer?“

„Wir. Die Krim.“

Ich verstand zuerst gar nicht, was er meinte.

„Abspalten von wem?“

„Von der Ukraine. Wenn die da in Kiew an die Macht kommen.“

Ich sah Natascha an. Sie hatte mitgehört.

„Was redest du denn da?“

Aber er war nicht der Einzige. Auch in den Medien tauchten plötzlich solche Sätze auf. Wenn die Opposition in Kiew die Macht übernehme, müsse die Krim überlegen, ob sie noch Teil dieser Ukraine bleiben könne.

Das irritierte mich mehr als vieles zuvor. Wem die Krim gehörte, war für uns keine Frage gewesen. Wir lebten in der Ukraine. Die Krim war autonom, russisch geprägt, manchmal eigenwillig, manchmal schwierig, aber sie war Teil der Ukraine. Was sollte dieses Abspalten plötzlich?

Am selben Tag wurde „Stop-Maidan“ gegründet. Schon der Name stellte die Front her. Auf dem Leninplatz in Simferopol trafen Aktivisten von Euromaidan-Krim auf Anhänger der „Russischen Einheit“, es kam zu Auseinandersetzungen. Russische Einheit. Sergej Aksjonow. Den Namen kannte man. Eine kleine prorussische Partei, nichts, worüber ich mir bis dahin besonders viele Gedanken gemacht hätte.

Aber an diesem Tag fühlte sich etwas anders an. Nicht weil plötzlich alle Menschen um uns herum Russland wollten. Das war es gerade nicht. Die meisten gingen einkaufen, zur Arbeit, holten ihre Kinder von der Schule und versuchten, ihren Alltag weiterzuleben. Aber dazwischen wurden die Stimmen lauter. Maidan. Faschisten. Russland. Abspalten. Wörter, die vor wenigen Wochen in unserem Alltag kaum eine Rolle gespielt hatten, standen plötzlich zwischen Menschen.

Während wir noch versuchten zu begreifen, was bei uns geschah, kamen aus Kiew die nächsten Nachrichten. Menschen verschwanden. Zuerst wusste niemand genau, was davon stimmte. Es hieß, Verletzte würden aus Krankenhäusern geholt, Aktivisten auf der Straße aufgegriffen. Dann erfuhren wir von Ihor Luzenko und Jurij Werbyzkyj. Werbyzkyj war verletzt worden, Luzenko hatte ihn ins Krankenhaus gebracht. Am frühen Morgen wurden beide von Männern in Zivil aus dem Krankenhaus verschleppt.

Aus einem Krankenhaus.

Das blieb bei mir hängen. Nicht einmal dort war man noch sicher. Luzenko tauchte später wieder auf, zusammengeschlagen und im Wald ausgesetzt. Von Werbyzkyj wusste zunächst niemand, wo er war.

Ich saß vor dem Fernseher und wusste irgendwann nicht mehr, wohin ich eigentlich schauen sollte. Nach Kiew oder vor unsere eigene Haustür? Dort brannten Barrikaden, bei uns hatte jemand versucht, ein Büro anzuzünden. Dort verschwanden Menschen, bei uns redeten plötzlich Bekannte davon, die Krim von der Ukraine abzuspalten.

Und irgendwo zwischen den Bildern aus Kiew standen wieder diese schwarzen Uniformen. Berkut. Ich wusste, dass auch Einheiten von der Krim dort waren. Unsere Berkut. Allein dieser Gedanke erzeugte ein Gefühl, das ich kaum erklären konnte. Als trüge ich einen Teil davon mit. Nicht durch Tun, sondern durch Zugehörigkeit. Weil Krim.

Am Abend war ich erschöpft. Nicht nur von den Bildern. Etwas anderes hatte mich getroffen. Dass Politiker von Abspaltung sprachen, war das eine. Dass ich denselben Gedanken plötzlich am Telefon von Menschen hörte, die ich kannte, war etwas anderes.

„Dann sollen wir uns eben abspalten.“

Wir. Die Krim.

Ich glaube, erst da begriff ich, dass der Streit aus Kiew bei uns angekommen war.

Nicht als Barrikade. Als Riss.

22. JÄNNER

Blut fiel in den Schnee. Junges Blut. Und der Schnee behielt es.

Die ersten Toten.

Am Morgen kamen die Meldungen aus Kiew. Menschen waren erschossen worden. Körper lagen auf der Straße, andere wurden fortgetragen. Zuerst waren es Zahlen, dann wurden Namen bekannt. Aus Opfern wurden Gesichter.

Serhij Nigojan. Zwanzig Jahre alt.

Michail Schysnewski. Sechsundzwanzig.

Roman Senyk wurde schwer getroffen. Noch lebte er.

Und dann fanden sie Jurij Werbyzkyj, den Mann, der am Tag zuvor gemeinsam mit Ihor Luzenko aus dem Krankenhaus verschleppt worden war. Seine Leiche lag außerhalb von Kiew. Spuren schwerer Misshandlungen.

Ich saß wie so oft auf dem Sofa. Aber diesmal fühlte es sich an wie eine Bank vor einem Operationssaal, als müsste gleich das eigene Kind operiert werden und man könne nichts tun außer warten.

Gefesselt.

Erschlagen.

Erschossen.

Ich war müde. Zu viel gesehen, zu viel Hoffnung verbraucht.

Die Familie schwieg. Der Fernseher redete genug. Immer neue Bilder, immer neue Meldungen, immer neue Namen. Natascha saß vor ihrem Computer und dem Handy. Babuschka vor dem Fernseher. Ich irgendwo dazwischen. Jeder sah dasselbe und doch wusste keiner mehr, was er dazu sagen sollte.

Bis dahin hatte ich immer noch geglaubt, dass irgendwo eine Grenze sein musste. Dass geschlagen wurde, dass Menschen verhaftet wurden, dass Barrikaden brannten – schrecklich genug. Aber irgendwann würde jemand Vernunft annehmen. Irgendwann würden sie miteinander reden.

Jetzt waren Menschen erschossen worden.

Das veränderte etwas.

Nicht nur dort. Auch in uns.

Man konnte nicht mehr so tun, als gehe es um einen Platz in Kiew, um ein nicht unterschriebenes Abkommen oder um Demonstranten, die irgendwann wieder nach Hause gehen würden. Da lagen Tote.

Und sofort begann der Kampf darum, was diese Toten bedeuteten.

In den russischen Medien tauchten immer häufiger dieselben Wörter auf. Chaos. Extremisten. Faschisten. Immer wieder, in Endlosschleife. Schärfer, greller, warnender. Die Gewalt in Kiew wurde nicht mehr nur gezeigt. Sie bekam eine Erklärung.

Und diese Erklärung erreichte uns auf der Krim.

Nach dem Telefonat vom Vortag hörte ich genauer hin. Maidan. Faschisten. Russland. Abspalten. Die Wörter standen nicht mehr nur im Fernsehen. Menschen um uns herum benutzten sie.

Ich sah innerlich wieder den Mann mit dem Besen vor mir und wusste nicht, was wichtiger war: fegen oder stehen.

Die Stimmung kippte.

Nicht plötzlich. Nicht bei allen.

Aber sie kippte.

23 und 24 JÄNNER

Die nächsten zwei Tage wurden lang.

In Kiew wurde es leiser. Nicht ruhig. Leise.

Trauerzüge gingen über den Maidan. Gesichter auf Transparenten, Kerzen, Gebete. Schwarz-weiße Fotos der Getöteten flatterten im Wind. Menschen standen dicht beieinander und schwiegen. Manche weinten, andere nicht. Sie standen einfach da, die Kiefer zusammengepresst, die Hände in den Taschen oder zu Fäusten geballt.

Es war eine andere Stille als zuvor. Keine Erschöpfung, keine Ruhe. Wut. Ganz leise, aber überall. Man sah sie in den Gesichtern, in der Art, wie die Menschen dastanden und nicht gingen. Als hätte mit den Toten etwas aufgehört und gleichzeitig etwas anderes begonnen.

Der Maidan schwieg – und blieb.

Auch die Barrikaden blieben. Sie wurden höher. Feuer brannten gegen die Kälte, in den Zelten wurde gekocht, Verletzte wurden versorgt, Nachtwachen eingeteilt. Dazwischen Gebete, Lieder, Gespräche. Menschen kamen und gingen, brachten Essen, Holz, Medikamente. Fast so etwas wie Alltag, nur dass ringsherum Schilde standen.

Europa drohte mit Sanktionen, Washington mit Konsequenzen. Wir hörten es, aber es erreichte mich kaum noch. Worte gegen das, was wir sahen.

Wir verfolgten fast jede Meldung. Natascha am Computer und am Handy, ich vor meinem Bildschirm, Babuschka vor dem Fernseher. Manchmal sagte stundenlang kaum jemand etwas. Es gab auch nichts mehr zu sagen. Die Zeit zog sich. Man wartete. Worauf, wusste ich nicht. Aber diese Stille in Kiew machte mir beinahe mehr Angst als der Lärm zuvor.

Da war nichts vorbei.

Im Gegenteil.

Am 23. Januar kamen dann die Bilder aus Lwiw. Demonstranten drangen in die Regionalverwaltung ein. Der Gouverneur, ein Mann Janukowytschs, wurde zum Rücktritt gedrängt. Dann Riwne. Ternopil. Auch in anderen Städten standen Menschen vor den Verwaltungen, blockierten Eingänge oder versuchten hineinzukommen.

Plötzlich schien sich der Maidan über das Land auszubreiten.

Wir waren verwirrt, vielleicht auch erschrocken darüber, wie schnell dieses Feuer um sich griff. Erst Kiew, jetzt Lwiw, Riwne, Ternopil. Immer neue Bilder, immer neue Städte. Was wochenlang auf einige Straßen in Kiew konzentriert gewesen war, tauchte Hunderte Kilometer entfernt wieder auf. Die Menschen standen nicht mehr nur gegen die Regierung in Kiew. Sie standen vor ihren eigenen Verwaltungen.

Es fühlte sich an, als stünden wir mit dem Rücken zur Wand und sähen zu, wie etwas auf uns zukam, von dem wir nicht wussten, was es am Ende sein würde.

Und irgendwann fragte ich mich nicht mehr nur, was das mit mir machte. Was musste Natascha fühlen? Es war ihr Land. Ihre Ukraine. Sie sah, wie Menschen für etwas aufstanden, das auch sie wollte, und gleichzeitig, wie dieses Land vor unseren Augen auseinanderzugleiten drohte. Wie sollte man sich darüber freuen? Wie sollte man davor keine Angst haben?

Und Babuschka? Sie hatte ein anderes Leben hinter sich, eine andere Ukraine und eine Sowjetunion davor. Sie hatte schon erlebt, wie Staaten und Gewissheiten verschwanden. Vielleicht sah sie in diesen Bildern etwas ganz anderes als wir.

Ich wusste es nicht.

Auch unsere Freunde wurden stiller. Wo vorher gestritten, erklärt, geschimpft und widersprochen worden war, blieben manchmal nur noch ein paar Sätze. Vielleicht weil niemand mehr wusste, wohin das alles führte.

Wir standen nicht auf dem Maidan. Wir standen nicht vor einer Regionalverwaltung in Lwiw.

Wir saßen auf der Krim.

Und plötzlich fühlte sich das alles nicht mehr weit weg an.

Natürlich sah man auch hier die Bilder. Nur klangen sie auf der Krim anders. Die Gewalt breite sich vom Kiewer Maidan über die Regionen aus, hieß es nun. Verwaltungsgebäude würden gestürmt, Barrikaden errichtet, die staatliche Ordnung drohe zusammenzubrechen.

Anarchie. Gewalt. Chaos.

Und wieder ging es um die Krim.

Schon zuvor hatte der Oberste Rat darüber gesprochen, was geschehen sollte, falls die Opposition in Kiew die Macht übernahm. Man müsse dann über die Selbstbestimmung der Krim nachdenken.

Schon wieder dieses Wort.

Erst hatte ich am Telefon gehört: „Dann sollen wir uns eben abspalten.“

Jetzt kam etwas Ähnliches aus dem Parlament. Auf mich wirkte es zunächst weniger wie ein Plan als wie eine Flucht. Die Partei der Regionen war auf der Krim stark, sehr stark. Hier saßen ihre Leute, hier lag eine ihrer verlässlichsten Machtbasen. Solange Janukowytsch in Kiew regierte, war ihre Welt in Ordnung.

Jetzt sahen sie, wie anderswo die Verwaltungen fielen.

Und wenn Janukowytsch fiel?

Wir wussten schließlich, wer dort im Parlament saß. Wladimir Konstantinow zum Beispiel, der Präsident des Obersten Rates. Auf der Krim kannte man ihn auch als Bauunternehmer, als Mann hinter dem Konzern Konsol. Überall standen deren Häuser. Wir kannten Konsol gut genug.

Babuschka kannte Konstantinow und sein Umfeld noch viel besser. Jahrzehnte zuvor, als Konsol gegründet wurde, hatte einmal zur Diskussion gestanden, dass ihr inzwischen verstorbener Mann an der Gründung beteiligt sein sollte. Dazu war es nicht gekommen, aber sie wusste viel über Konstantinow, seine Anfänge und die Leute um ihn herum.

Und sie hielt nicht viel von ihm.

Wenn sein Gesicht im Fernsehen erschien, brauchte ich ihr nicht zu erklären, wer da saß. Sie kannte seine Geschichte besser als ich, und sein Ruf war bei ihr denkbar schlecht.

Konstantinow stand Janukowytsch und der Partei der Regionen nahe. Das wusste man. Und nun saß gerade er dort und sprach mit anderen darüber, was aus der Krim werden sollte, falls Janukowytsch und seine Leute in Kiew die Macht verloren.

Babuschka hörte zu.

„Der.“

Mehr hätte sie gar nicht sagen müssen.

Da bekam „Selbstbestimmung“ für mich einen anderen Klang. Es wirkte weniger wie die große Frage nach dem Schicksal der Krim als wie die sehr viel kleinere Frage einiger Männer:

Was wird aus uns, wenn die in Kiew fallen?

Das Wort störte mich. Vielleicht auch deshalb, weil ich nicht verstand, wovor sich die Krim eigentlich selbst bestimmen sollte. Vor einer anderen Regierung in Kiew? Vor dem Maidan? Vor Menschen, die gerade erschossen worden waren?

Fast gleichzeitig sahen wir Bilder aus Simferopol. Menschen hatten sich versammelt, um Serhij Nigojan zu gedenken. Kerzen. Blumen. Sein Gesicht.

Auch hier.

Ich weiß noch, dass mich das beruhigte. Vielleicht nur für einen Moment. Denn das war die Krim, die ich kannte. Nicht diese Sätze vom Abspalten.

Am 24. Januar ging es weiter. Das Präsidium des Obersten Rates wandte sich an Janukowytsch und den Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat. Der Ausnahmezustand solle verhängt werden.

Ausnahmezustand.

Ich las das zweimal.

Jetzt also das.

Gleichzeitig wurde auf der Krim dazu aufgerufen, Geld für die Angehörigen der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden zu sammeln. Für jene Leute also, deren Kollegen wir seit Tagen in Kiew hinter Schilden stehen, schlagen und schießen sahen.

Die Fronten wurden klarer.

Und trotzdem war die Krim nicht klar.

In den Moscheen wurde an diesem Freitag für Frieden und eine Stabilisierung der Lage in der Ukraine gebetet. Kein Russland. Keine Abspaltung. Einfach Frieden.

Dann kam noch eine andere Meldung. Eine Gruppe von Unternehmern und Geschäftsleuten auf der Krim hatte eine Bewegung gegründet: „Krim ohne Diktatur“. Sie unterstützten den Euromaidan und warnten die Menschen auf der Krim vor den separatistischen Erklärungen und Handlungen der örtlichen Führung.

Aber sie taten es anonym.

Das blieb bei mir hängen.

Geschäftsleute, die sich öffentlich gegen Separatismus stellten und gleichzeitig ihre Namen nicht nennen wollten.

Separatismus.

Nun war auch dieses Wort da.

Innerhalb weniger Tage waren Wörter in unserem Alltag angekommen, die vorher kaum jemand gebraucht hatte. Abspaltung. Selbstbestimmung. Ausnahmezustand. Separatismus.

Und gleichzeitig standen in Simferopol Menschen mit Kerzen für einen Toten des Maidan. In den Moscheen wurde für Frieden gebetet. Andere sammelten Geld für die Familien der Sicherheitskräfte. Freunde, die vor wenigen Wochen noch laut miteinander gestritten hatten, wurden vorsichtiger und stiller.

Wir auch.

Jeder sah dieselben Bilder und erkannte darin etwas anderes. Für die einen war der Maidan Hoffnung, für die anderen Chaos, für manche bereits eine Bedrohung.

Und wir saßen dazwischen und versuchten noch immer zu verstehen, was davon nur Worte waren.

Dass manche ihre Namen schon nicht mehr nennen wollten, bemerkte ich.

Wie ernst das war, verstand ich noch nicht.